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Neue Waffe im "War for Talent"
Firmenwagen für alle?
von Alena Krämer

Die von Hay Group in 2005/2006 unter ca. 170 Unternehmen in Deutschland durchgeführte Studie thematisiert die Gestaltung der Firmenwagenregelungen und analysiert die aktuelle Vergabepraxis von Firmenfahrzeugen. In Zeiten der Globalisierung kommt es mehr denn je darauf an, die richtigen Positionsinhaber in Schlüsselfunktionen durch ein attraktives Gesamtvergütungspaket zu motivieren.
 
Firmenwagen gehören dabei heutzutage zu den am meisten diskutierten und begehrtesten Nebenleistungen, die Arbeitnehmer nicht nur von Top-Arbeitgebern erwarten. Unternehmen sehen ihrerseits in dieser Nebenleistung zunehmend ein Bindungs- und Motivationsinstrument. Denn ein Firmenwagen signalisiert nach außen den Status und die Bedeutung einer Position – und folglich des Positionsinhabers – im Unternehmen. Je imposanter der Firmenwagen, desto wichtiger wird der Firmenwagenberechtigte wahrgenommen. Der Firmenwagen ist nicht länger ein den obersten Führungspositionen vorbehaltenes Rollenattribut, sondern Anreiz für mehr Funktionsgruppen denn je.
 
Die Ergebnisse der Studie bestätigen den hierarchiebezogenen Zusammenhang zwischen den tatsächlich gefahrenen Fahrzeugmodellen und dem Stellenwert der firmenwagenberechtigten Position: je höher also die Wertigkeit der Stelle, desto höher fällt der Anspruch auf Sonderausstattung und stärkere Motorisierung aus. Eine signifikante Korrelation ist beispielsweise zwischen dem Stellenwert und Motorhubraum festgestellt worden, wie die graphische Darstellung zeigt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
T – Tarifmitarbeiter / AT – Außertarifliche Mitarbeiter / M3 – Management / M2 – Mittleres Management / M1 – Oberes Management
 
Der allgemeine Trend der Flexibilisierung in der Firmenwagenpolitik findet auch seinen Ausdruck in der Breite der Berechtigtengruppen, die in den erhobenen Daten einbezogener Unternehmen sehr deutlich wird. Immer mehr Unternehmen öffnen Firmenwagenregelungen für bisher nicht berechtigte Mitarbeitergruppen, wie zum Beispiel außertarifliche und tarifliche Mitarbeiter. Nicht nur langfristige Mitarbeiterbindung, sondern auch die Attraktivität des Gesamtvergütungspaketes sowie günstigere Konditionen bei den Leasinggesellschaften und steuerliche  Vorteile stehen hinter dieser Entscheidung. Aus – nachvollziehbaren - Kostengründen wenden Unternehmen dabei weitgehend differenziertere Finanzierungsmodelle an. Wenn für obere und mittlere Managementpositionen ein Firmenwagen meistens „on-top“, also zusätzlich zur Barvergütung zur Verfügung gestellt wird, erhalten die nachgelagerten Positionen oft mittels Gehaltsumwandlung oder Gehaltserhöhungsverzichts zu finanzierende Firmenwagenoptionen im Sinne eines Cafeteria-Modells. Dabei ist die Auswahl an Modellen und Ausstattungsvarianten eng mit der Wertigkeit der Position verbunden.
 
Rolle der Firmenwagen im „War for Talent“
 
Im „War for Talent“ wird ein Firmenwagen ebenfalls als eine wirksame „Waffe“ eingesetzt. So werden in manchen Unternehmen Statusfahrzeuge schon in den Hay-Grades 14/15 vergeben, wenn für bestimmte Berufsgruppen (z. B. Absolventen für Ingenieurberufe etc.) ein erhöhter Arbeitskräftebedarf besteht und das Angebot auf dem Arbeitsmarkt knapp ist. Da Firmenwagen von Arbeitnehmern als Bestandteil des Gesamtvergütungspaketes angesehen werden, kann diese Form der Nebenleistungen die Attraktivität der Position für potenzielle Arbeitnehmer deutlich erhöhen.
 
Eine weitere Besonderheit der aktuellen Entwicklung im Firmenwagenmanagement findet sich in der zunehmend schwierigeren Abgrenzung zwischen den Status- und Funktionsfahrzeugen. Diese traditionelle Klassifizierung der Firmenwagentypen reicht offensichtlich nicht mehr aus und wird konsequent um eine dritte Mischform „Status+Funktion“ ergänzt. Über alle Stellenwertgruppen hinweg werden in den Unternehmen Firmenfahrzeuge vergeben, die weder als reine Funktions-, noch als reine Statusfahrzeuge identifizierbar sind. Zum einen setzen leitende Positionen häufig hohe Reisebereitschaft und dementsprechend hohe Reiseanteile voraus, so dass die für diese Positionen vorgesehenen Firmenfahrzeuge (meistens als Statusfahrzeuge bezeichnet) überwiegend funktionell genutzt werden. Dies ist beispielsweise bei leitenden Vertriebspositionen (Verkaufsleiter etc.) der Fall. Zum anderen sind die Fahrzeugmarken und –modelle in den für Funktionsfahrzeuge typischen Positionen nicht mit den als marktüblich erhobenen „reinen“ Funktionsfahrzeugen vergleichbar und korrelieren stark mit den Fahrzeugmarken und –modellen der Status-Kategorie. Die Aufwertung der Funktionsfahrzeuge wird auch hier gleichzeitig als Motivationsinstrument genutzt.
 
Restriktionen im Firmenwagenmanagement
 
Trotz der Ausweitung und Flexibilisierung der mitarbeitergruppenspezifischen Fahrzeugvergabe führen viele Unternehmen bedeutende Restriktionen für die Modellpalette oder Ausstattung der Firmenfahrzeuge ein. In den meisten fällen dienen solche Restriktionen primär als Kostencontrolling-Maßnahmen. Diese äußern sich überwiegend in einem Maximalbetrag, der ein Preislimit oder die Obergrenze für Leasingraten darstellt und innerhalb dessen eine freie Wahl möglich ist. Auch allgemein definierte Einschränkungen können Bestandteile der Firmenwagenpolitik sein. Einige Unternehmen stellen nur deutsche Fahrzeuge ausgewählter Marken (BMW, Mercedes, Audi oder VW) zur Auswahl bzw. lassen keine Sportwagen, Cabrios oder Geländewagen zu. Fahrzeuge der Luxusklasse wie Audi A8, Mercedes-Benz S-Klasse oder 7er BMW werden, wenn überhaupt, nur für Geschäftsführungen oder Organfunktionen bestellt. Obwohl die laufenden Betriebskosten wie zum Beispiel Kosten für Kraftstoff von den meisten Unternehmen übernommen werden, lassen sich auch in dieser Hinsicht Einsparungstendenzen beobachten: über alle Stellenwertgruppen hinweg überwiegen anteilig Dieselfahrzeuge. Die steigenden Ölpreise zwingen die Unternehmen offensichtlich zur Sparsamkeit in Bezug auf Kosten für den Kraftstoffverbrauch. Allerdings sinkt der Anteil der Dieselfahrzeuge, je höher man in der Hierarchie steigt.
 
Allrad Trend
 
Viel diskutiert wird die Ausweitung von Modellpaletten auf so genannte SUV, Sports Utility Vehicles wie Mercerdes M Klasse oder BMW X5. Einzelne Unternehmen bieten bereits Audi A6 Allroad Quattro und VW Passat V6 4Motion an, deren Unterschied zu SUV eher marginal erscheint. Hier überholt offensichtlich die Nachfrage die Realität, was man als Trend für die kommenden zwei Jahre bezeichnen könnte.
 
Der komplette „Hay Company Car Report“ (Deutschland) als Ergebnis der durchgeführten Studie kann ab sofort bestellt werden.
 
Ansprechpartner: alena_kraemer@haygroup.com, Leiterin Operations RIS Deutschland

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